Heutige Überlegungen zur Hufrehe:

1. Rehe durch gestörte Magen-Darm Funktion

Die Ernährung und die Darmflora stellen ein zentrales Element in der Therapie der Hufrehe des Pferdes dar. Mit dem Bewusstsein wie essentiell die fein abgestimmte Zusammenarbeit von Bakterien, Pilzen und Verdauungsenzymen ist, kann ein Umdenken auch in der Therapie erfolgen. In der Humanmedizin wurde der eigene Begriff „Mikrobiom“ für diese Darmbewohner geprägt. In der Therapie unserer Pferde durch den Tierarzt findet der schonende Umgang mit dem Darmmilieu bisher wenig Berücksichtigung.

Wichtig sich klar zu machen:

Jeglicher Einsatz von Schmerzmitteln bzw. Entzündungshemmern, Antibiotika, Beruhigungsmitteln aber auch Wurmpasten verändert das Darmmilieu. Labile Patienten wie Rehepferde können dadurch erneut einen Reheschub erleiden.

 

1.1 Grundfutter Heu und Gras als Krankheitsursache

 Artenreiches Heu mit geringer Belastung durch schädliche Pflanzen und Chemikalien ist oft eine Wunschvorstellung. Gab es beim Wildpferd noch eine jahreszeitliche Koppelung an das Angebot der Natur, wird heute rund ums Jahr mehr oder weniger das gleiche Futter verabreicht. Wissenswert zur Pferdefütterung.

Das Heu enthält inzwischen meist wenige Arten schnell wachsender Hochleistungsgräser, wie sie in der Rinderhaltung erwünscht sind. Ziel sind Zuchtgräser mit hohem Wachstumspotential und Resistenz gegen Parasiten, Dürre und Trittbelastung. Dies bedeutet die gezielte Vergesellschaftung (Symbiose) mit Pilzen, die zu diesem Zweck verschiedene Gifte produzieren. Diese sogenannten Endophyten sind im Heu mit reinem Auge nicht unbedingt sichtbar, und können  zu massiven Schädigungen der Darmflora führen. Es gelangen Toxine in den Stoffwechsel, die im Huf die gefürchtete Rehe auslösen können.

Ein bereits labiles Darmmilieu zeigt sich um so anfälliger für kleinste Störungen wie Diätfehler oder übers Futter verabreichte Zusatzstoffe.

 

1.2 Antiparasitika zur Entwurmung des Pferdes als Krankheitsursache
Ein Reheschub 2 Tage nach Verabreichung einer Wurmpaste, sind für mich ein Grund um das übliche Wurmmanagement, insbesondere bei Pferden mit Hufrehe, zu überdenken.

Es ist abzuwägen, inwieweit die Schädigung durch Parasiten oder ein Fortschreiten der Laminitis für das jeweilige Pferd die größere Bedrohung bedeuten.

Außerdem stellt die zunehmende Entwicklung von Resistenzen bei der Behandlung von Parasiten eine große Herausforderung dar. Gefürchtet sind wiederkehrende Koliken, die tödlich enden können. Selbst der Einsatz täglich wechselnder Wurmpasten über mehrere Tage kann die Eiausscheidung im Kot der Pferde nicht immer reduzieren. Die Herausforderung besteht darin die Zahl der Pferde zu reduzieren, die Dauerausscheider von Wurmeiern sind.

Ich habe es schon erlebt, dass trotz täglicher Verabreichung unterschiedlicher Wurmpasten über eine Woche ein 2 jähriger Warmblutwallach nicht wurmfrei zu bekommen war.  Hochgradige Abmagerung und Koliken gingen damit einher.

Die Kombinierte Selektive Entwurmung versucht diesem Dilemma entgegen zu wirken. Die Zukunft wird zeigen inwieweit wir in der Lage sind Parasiten durch eine Kombination von herkömmlichen Wurmpasten und Naturheilkunde Einhalt zu gebieten.

 

1.3 Glukokortikoide (= Kortikosteroide = Kortison im landläufigen Sinn) als Krankheitsursache
Das Hufrehe Pferd, das mich geprägt hat

Im Frühjahr 1999 bat mich eine Pferdebesitzerin ihre Warmblutstute wegen einer akuten Hufrehe mit Naturheilkunde zu behandeln. Das Pferd hatte zur Hustenbehandlung eine Kortisoninjektion erhalten und einige Tage danach die Symptome einer akuten Hufrehe (Laminitis) entwickelt.

Nach kleinen Anfangserfolgen kam es zu einer Hufbeinabsenkung und Hufbeinrotation. Aufgrund dieser fortschreitenden, hochgradig schmerzhaften Entzündung der Hufe musste ich die Stute einschläfern. Ich wollte diesem hochgradig schmerzhaften Krankheitsverlauf mehr entgegensetzen können.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass 20 Jahre später die Hufrehe des Pferdes im Rahmen des Equinen Cushing Syndroms (ECS) und des Equinen Metabolischen Syndroms (EMS) weit verbreitet sein würde.

Insbesondere bei Gelenkerkrankungen werden beim Pferd üblicherweise Kortisoninjektionen direkt ins Gelenk verabreicht. Um die Entzündung längerfristig zurückzudrängen ist eine gewisse Depotwirkung wünschenswert.

Kurzzeitig wirkende Kortisone wie Prednisolon werden vom Tierarzt für die Behandlung allergischer Reaktionen oder Atemnotsymptomen eingesetzt. Oftmals hilft eine einmalige Injektion nur kurzzeitig und eine wiederholte oder längerfristige Verabreichung ist nötig.

Bei Pferden, die eine Stoffwechselsymptomatik wie Cushing vermuten lassen, sollte deren Einsatz sorgfältig abgewogen werden.

Details zu Medikamentennebenwirkungen siehe https://www.vetpharm.uzh.ch/wir/UC000000/0000__F.htm

Kortikosteroide bergen eine zweifaches Risiko der Hufrehe: Sie stören die Magen- Darmflora und wirken auf Hormone im Gehirn, die für die zentrale Steuerung des Stoffwechsels wichtig sind.

 

1.4 Antibiotika und Schmerzmittel als Krankheitsursache:

In den letzten Jahren werde ich als Tierarzt mit einer neuen Verlaufsform der Hufrehe konfrontiert:

Jungpferde, die im Alter von 2-4 Jahren über Monate immer wieder Lahmheiten zeigen und  eine schleichende Hufrehe entwickeln.

Am Huf zeigen sich allmählich die typischen Veränderungen mit divergierenden Ringen und eine gewisse Knollenbildung. Im Röntgenbild bestätigt sich dann die Hufbeinrotation und Senkung.

Was mag der Auslöser sein?

  • Mangels Möglichkeiten zur Herdenhaltung werden Jungtiere in den ersten Lebensjahren oftmals überwiegend in Boxen gehalten. Insbesondere Junghengste benötigen aufgrund der hormonellen Entwicklung vielseitige Bewegung und ein Messen der Kräfte im Herdenverband.  Weitgehende Boxenhaltung kann dann zum Streßfaktor werden.

Außerdem entfallen zum großen Teil die Anforderungen an die Stärkung der Hornstruktur durch unterschiedliche Böden. Die Hufdurchblutung ist reduziert. Auf- und Abfußen und damit die  Pumpfunktion des Hufmechanismus wird stark minimiert.

  • Schulmedizinisch werden Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (besser bekannt als Aspirin) eingesetzt. Beruhigungsmittel wie Acepromacin  sollen neben dem positiven Einfluß auf die Huflederhaut auch die Tiere etwas ruhigstellen. Damit soll Heilung entzündeter Bereiche ermöglicht werden.

Rufen wir Tierärzte aber nicht etwa durch diese Therapien erst recht die chronische Problematik der Hufrehe hervor? Beruhigungsmittel verhindern eine vermehrte Bewegung aber erst recht.  Schmerzmittel verfälschen das Bild der sichtbaren Beweungsunlust. Häufig wird die Diagnose Hufrehe erst nach längerer Zeit gestellt. Ein Jungpferd mit schleichender Entwicklung der Symptome gehört bisher nicht in das klassische Rehedenken.

Es stellt sich die Frage inwieweit tierärztliche Maßnahmen wie die Verabreichung von Antibiotika und Schmerzmittel die Darmflora beeinträchtigen und der Schädigung der Hornkapsel Vorschub leisten.

Mangels weiterer Möglichkeiten neigen wir Tierärzte schnell dazu mit den Präparaten, die üblicherweise zur Verfügung stehen auf die Krankheiten unserer Patienten zu reagieren. In den Jahren meiner Tierarzttätigkeit bin ich jedoch immer häufiger damit konfrontiert, mit einer kurzfristigen, einseitigen Maßnahme nicht mehr nachhaltig ans Ziel zu kommen.

War ich bei einer akuten Verletzung oft schon mehr als dankbar für die Homöopathie, ist jetzt zusätzlich bei schlecht heilenden Wunden die passende Mineral- und Vitaminversorgung ein Thema.

Gerade Hufrehepferde erfordern eine besondere Sensibilität bei ihrer Behandlung.

2. Hufrehe durch Störungen des Hormonhaushalts

„Neurostress“  und Hufrehe beim Pferd

Besonders im Humanbereich wird viel diskutiert, durch welche Faktoren die Botenstoffe und die Hormone entgleisen. Die Beeinflussung des Gehirns durch alle möglichen Arten von Strahlung und die Qualität der Ernährung sind als Ursachen des „Neurostresses“ im Gespräch.  Als Definition dieses Begriffes finden sich Störungen des Hormonsystems im Zusammenspiel Hypothalamus Hypophyse Nebenniere. Diese Störungen zählen als Auslöser vielfältiger Erkrankungssymptome. Details hierzu finden Sie hier.

Entwickelt der Mensch dann Symptome, die mit Burn-Out-Syndrom bezeichnet werden und die Pferde reagieren mit ECS oder EMS?

Ist also Neurostress ein Auslöser für Hufrehe? Und was mag Neurostress beim Pferd auszulösen?

2.1 Gestörter Hormonhaushalt durch bewegungsarmes Haltungssystem:

Auswirkung: Mangelhafter Stoffaustausch

 

Für das Lauftier Pferd gehört stressfreie Bewegung zum wichtigsten Element der Gesunderhaltung.  So werden Verdauungsorgane, Muskulatur und die Hufe durchblutet und die Sauerstoffzufuhr sorgt für Austausch im Gewebe. Ein altbekannter Zusammenhang noch einmal ins Zentrum des Denkens gestellt.

Sensibilisiert durch die Berichte über Fruktan im Gras als Auslöser dieser Huflederhautentzündung, trauen sich viele Pferdebesitzer nicht mehr ihr Pferd auf die Koppel zu lassen. Damit ist die Pumpfunktion des Endorganes Huf immer weniger gegeben.

Glücklicherweise finden sich zunehmend Haltungssysteme die z.B. mit verteilten Futterplätzen und  Paddocktrails für mehr Bewegung sorgen. Aber auch diese stellen große Anforderungen an das Management dar und sollten individuell für das jeweilige Pferd ausgewählt werden.

Auswirkung: Verhaltensprobleme bei Pferden

Beim Menschen zählt schon lange „Neurostress“ zu den Auslösern von Magengeschwüren. Psychische Belastungen können sich beim Pferd vielfältig äußern. Beim Auftreten von Magengeschwüren ebenso wie bei Hufrehe wäre es wünschenswert, das emotionale Umfeld mit einzubeziehen. Die Reaktion auf mangelnden Streßabbau kann sicherlich vielfältig sein: Das eine Pferd fängt vielleicht an zu Koppen, das nächste entwickelt ein Magengeschwür. Oder mag so auch eine schleichende Hufrehe entstehen?

Selbst wenn die individuellen Haltungsbedingungen scheinbar sehr gut sind, treten inzwischen auch vermehrt Symptome auf wie übermäßige  Berührungsempfindlichkeit bis hin zur Aggressivität.

Meiner Meinung nach hängen körperliche Beschwerden oft mit einer auslösenden Stresssituation zusammen. Ein unleidiges  Nachbarpferd, ein Stallwechsel oder  erhöhte Unruhe im Stall bringen dann „das Fass zum Überlaufen“.

Ein Teil der Faszination Pferd besteht in der Feinsinnigkeit dieser Tiere. Damit geht allerdings auch die Feinsinnigkeit gegenüber vielerlei Umweltreizen einher. Vielleicht machen uns unsere Vierbeiner darauf aufmerksam achtsamer mit zuviel Umweltreizen umzugehen.

2.2 Gestörter Hormonhaushalt durch schulmedizinische Medikamente und Impfungen:

Injektionen, sei es intravenös oder auch intramuskulär, haben meist weniger Auswirkungen auf den Magendarmtrakt des Pferdes als übers Futter verabreichte Präparate. Trotzdem sollten wir Tierärzte aufhorchen, wenn Besitzer anfragen, ob ein Zusammenhang zwischen einer Injektion und einer zeitnahen anderweitigen Erkrankung besteht.

Inwieweit im Anschluss an Impfungen Krankheitssymptome auftreten, stellt noch ein großes Forschungsfeld dar.  Inzwischen behandeln verschiedene Tierärzte mit unterschiedlichen Spezialisierungen ein und das gleiche Pferd. Damit impft vielleicht ein Kollege, der andere behandelt die Lahmheit mit einer Gelenkinjektion und der Physiotherapeut wird wegen Bewegungsstörungen und Blockaden in der Wirbelsäule hinzugezogen. Vielleicht hängt aber auch alles zusammen und das Pferd reagiert mit einer unerwünschten Nebenwirkung auf die Impfung. Abgesehen davon dass laut Zulassung   Wochen vor und nach einer Impfung weder Kortison noch Antibiotika verabreicht werden sollten.

Das Impfmanagement, wie es heutzutage für Pferdesportveranstaltungen aber auch für das Einstellen in vielen Ställen vorgeschrieben ist, wird meiner Erfahrung nach nicht von jedem Pferd problemlos vertragen.  Mein Weg besteht darin, mit dem Besitzer Indikationen aber auch mögliche Nebenwirkungen einer Impfung zu besprechen.

Mit diesen Informationen und den Möglichkeiten der Naturheilkunde kann der Besitzer anschließend eine Entscheidung für sein Pferd treffen: Eine zeitliche Trennung von Impfungen, Impfbegleitung und Impfausleitung bis zu einem gewissen Grad oder auch Verzicht auf gewisse Impfungen stehen zur Auswahl.

Auf jeden Fall gehört für mich zur Ganzheitlichen Tiermedizin die Aufklärung bezüglich Wirkungen und Nebenwirkungen und daraus resultierend ein individuelles Impfkonzept.

Im Humanbereich liegen inzwischen vielerlei Untersuchungen zu Impfungen vor.

Details zur Impfaufklärung aus dem Humanbereich finden Sie hier.

2.3 Gestörter Hormonhaushalt durch Strahlung von Mobilfunkmasten und Handys:

Da wir uns selbst bereits weitgehendst damit abgefunden ein Handy in greifbarer Nähe zu haben und überall mit WLAN konfrontiert zu sein, machen wir uns ohne trifftigen Grund darüber keine Gedanken mehr. Oder haben Sie schon einmal darauf geachtet, welchen Strahlen Ihr Pferd ausgesetzt ist? Gibt es in der Nähe des Stalles Funkmasten oder Hochspannungsleitungen?

Erst indem wir die nötige Achtsamkeit für die Haltung und einen möglichen „Neurostress“ unseres Pferdes entwickeln, können wir Umdenken und Alternativen suchen. Also begeben wir uns auf den Weg.